this borderline fuckup is also about to drool...

Sunday, September 04, 2005

Wichtige Platten 2003


01. Since by Man - "We sing the Body electric" (Revelation)
Since by Man gehören zu den Bands deren Musik man nicht beschreiben kann, man muss sich ihr einfach ergeben... am besten live, denn da gehen die Jungs ab wie Sau. Wenn man will, könnte man sagen, SBM machen Chaoscore a la Converge oder Engrave mit ner melodischen Kante a la From Autumn to Ashes zu Zeiten ihres Debüts und ner gewissen Virtuosität, wie von späteren At the Drive-In praktiziert... hinzu kommt aber, dass "We sing the Body electric" vollkommen metalfrei ist und gerade das Schlagzeug nen ordentlich punkigen Touch gibt. Aber im Grunde kannste den Sound von Since by Man einfach nicht beschreiben, da sie in dem Genre die mit Abstand eigenständigste und innovativste Musik machen. Die Songs auf der Platte sind die besten die je in diesem Genre geschrieben wurden, sie reihen tolle Momente an noch bessere Momente, sie bieten kleine Verschnaufspausen, grandiose Melodien, verdammt viel Groove, ein einnehmendes Bass-Spiel, einen Shouter an der Grenze zum Kollaps, hunderte von intelligenten Songideen sowie die intensivsten Ausbrüche und Hooks seit langem. Zudem eine Stimmung zwischen purem Hass und Weltungergangs-Angst. Wie gesagt, ich will hier nicht länger rumreden, Songs wie "Push the Panic", "A Kid who tells on another Kid is a dead Kid" oder "Parole en Liberta" sprechen für sich. Zudem sind die Jungs auch noch ganz nette, lockere Hardcore-Kids wie unser eins... Platte des Jahres, und zwar mit Abstand. Bisher (also Stand 2005) würd ich sogar sagen, bis dato die beste Platte des Jahrzehnts, nur um es mit meinem Lob nochmal auf den Gipfel zu treiben. Lieblingssongs: "Push the Panic" (2), "A Kid who tells on another Kid is a dead Kid" (4), "Watch the Fall" (7)
02. Fear before the March of Flames - "Odd how People shake" (Rise)
Fear before sind mit die am meisten unterschätzte Hardcore-Band überhaupt. Man könnte es sich ganz einfach machen und die Band in die Chaos-Schublade packen. Man könnte auch sagen die Durchgeknalltheit der Blood Brothers trifft auf die Verspieltheit von On the Might of Princess, die verschrobene Emokante früherer From Autumn to Ashes und das Händchen für grandiose Songstrukturen von At the Drive-In. Aber selbst das würde "Odd how People shake" nicht gerecht werden. So oder so vermixen Fear before auf innovativste Art und Weise hektischen, aber verdammt eingängigen Chaoscore inklusive vielen Hooks mit grandiosen Post-Hardcore-Harmonien, alles überragenden, aber sehr schrägen Emo-Einlagen und einer gewissen Lo-Fi-Experimentierfreudigkeit an den Instrumenten wie man sie sonst oftmals nur vom Math-Rock her kennt. Und erfreulicherweise ist das Ganze noch komplett metalfrei, wenn auch die Shouter schon mal richtig fies drauflos brüllen können. Und überhaupt! Die Shouter! Zwei an der Zahl, der eine schlägt nur die harten Töne an, keift, kreischt, gurgelt, der andere intoniert auch schon mal schiefe Gesangslinien und krank gesprochene Passagen, kreischt beizeiten aber auch in hoher Stimmlage und erinnert dabei an ein abgestochenes Schwein. Das sind mit die besten, aber auf jeden Fall die abwechslungs- und einfallsreichsten Doppel-Vocals im Hardcore. Somit ist nicht nur die Musik, sondern auch der Gesang durchsetzt von Ideen, Geistesblitzen und innovativen Experimenten. Vorallem aber auch dieser schamlose Umgang mit anderen Einflüssen geben Fear before den letzten Kick. Sie begeben sich ähnlich wie die Blood Brothers (auch wenn ich den Vergleich hasse) auch öfter mal auf kitschige Gefilde, wirken aber gerade dabei so anders und so aufregend. Ein Song wie '"On the Brightside, she could choke" ist im Grunde ein schnulziger Emo-Pop-Song, wird durch die kranken Vocals und der treibenden Rhythmus-Abteilung aber ganz woanders hin befördert. Und das Ganze inklusive grandiosem Refrain! Überhaupt! Tolle, eingängige Passagen oder auch Refrains gibt’s zu Hauf. Songs wie "Fashion Tips Baby" oder "Given to Dreams" sind so verdammte Überhits die in keiner Hardcore-Disse fehlen sollten, dass es mich enorm verwundert, warum diese Band eigentlich so unbekannt ist. Und das ist ärgerlich, weil "Odd how People shake" in den 10 Songs respektable 30 Minuten (lässt man das 10-minütige Pianogeklimper am Schluss weg) alles bietet, angefangen von zig grandiosen Melodien, über überragende Hooks und Ausbrüche bis hin zu monströsen Abgeh- und Moshparts. Und weil diese Platte an allen Ecken und Enden rockt, berührt und ständig überrascht. Diese Platte ist ein Meisterwerk des modernen Hardcores und im Bereich "Chaoscore meets Postcore" (auch wenn es natürlich zig weitere Einflüsse gibt) absolute Referenz. Das kann keiner besser. Wenn ich weiter oben geschrieben hab, Since by Man's "We sind the Body electric" ist die bis dato beste Scheibe des Jahrzehnts, dann folgt diese hier dicht dahinter. Lieblingssongs: "Fashion Tips Baby" (1), "Given to Dreams" (3), "The Lisbon Girls, oh the Lisbon Girls" (5), "Sarah Goldfarb, where are your Manners?" (7)

03. Cursive - "The Ugly Organ" (Saddle Creek)
Cursive gehören zu den Bands die man praktisch nicht zuordnen kann, bei denen man bei jedem Vergleich mit anderen Bands laut "äh?" ruft... Cursive spielen in einem eigenen Genre, die haben schon immer gemacht, was ihnen passt. Rausgekommen sind dabei vier LPs, die sich stetig steigerten und in "The Ugly Organ" ihren absoluten Höhepunkt fanden. Das was Cursive hier spielen kann man wohl am ehesten als "Post-Emo" bezeichnen. Dahin werden die ganzen Heul-Schrei-Heul-Kapellen wohl irgendwann um 2012 rum hinkommen, wenn überhaupt. Ein begeisternder Tim Kasher bringt Verzweiflung, Wut und Begeisterung derart intensiv rüber wie keiner, eine toll aufgelegte Rhythmus-Abteilung gibt den Songs einen superben Drive, die Cellistin sorgt für einen unheimlichen Wiedererkennungswert und das Songwriting ist wohl so ungefähr das innovativste was man so zu hören bekommt. Ich behaupte sogar, dass Tim Kasher der beste Songtexter aller Zeiten ist. Da reicht auch die alt bekannte At the Drive-In Referenz nicht immer aus. Cursive können rocken wie in "Some red handed Sleight of Hand", tanzbar und hocheingängig zu Werke gehen, im vielleicht besten Song "Art is hard", sie können unheimlich berührend und melancholisch sein wie bei "The Recluse" (mit einem außenstehenden Text), sie können mystisch sein wie in "Butcher the Song", verschroben wie in "A Gentleman Caller", makaber wie im dissonanten "Bloody Murderer" und völlig emotional wie in "Sierra", dem Song den Tim Kasher für seine Tochter schrieb. Mitten ins Herz, verdammte Scheiße. Die Texte sind wie schon angeklungen, absolut eigenständig und frei von irgendwelchen Konventionen... wie aber irgendwie alles an dieser tollen Band. Btw, auch so ungefähr die einzige Platte in dieser Liste, die mir immer wieder Tränen in die Augen drückt. Gerade bei "Sierra", einem der traurigsten Songs aller Zeiten. Eine Bitte: Bitte kaufen. Und zwar mehrmals! Lieblingssongs: "Art is hard" (3), "The Recluse" (4), "Butcher the Song" (6), "Sierra" (11)
04. One Man and his Droid - "Party People" (Defiance)
Ach du scheiße. Auf dem Cover sind fünf "süße" gestylte Emokids Anfang 20 abgebildet, die Scheibe heißt "Party People" und der Sänger singt in sanfter Emo-Lage. One Man and his Droid und "Wie schaff ich mir ein falsches Image, Part 136". Denn was die Jungs auf "Party People" hier abliefern ist so viel mehr als das was diese ganzen sich selbst kopierenden Screamo-Bands alle spielen. Der noch etwas unbeholfene und schlichte Vorgänger ließ es schon erahnen, aber One Man and his Droid fröhnen eher dem Post-Hardcore. Allerdings verdammt jugendlicher Post-HC, der noch mit einem halben Bein im klassischen 90er-Jahre-Emocore verwurzelt ist, was gerade die Vocals und einige Harmonien transportieren. Aber so oder so, mit dem überragenden "Party People" machten sich die Jungs zur besten deutschen Band im gesamten Post- und Emocore-Sektor. Erstklassige Melodien wie bei "Counting on Five Fingers", eingängige Refrains wie in "Chet Baker and me", eine aufdringliche Poppigkeit wie bei "Drop that beautiful", angriffslustige Gitarren wie in "Indianapolis", elektronisch-spacige Spielereien wie in "Read the Manual first" oder von Akustikgitarre, brüchiger Stimme und Streicher getrangene Lagerfeuernummern wie "This is Training", alles mit an Bord! Grad die ziemlich verschrobene und zumindest in Deutschland einzigartige Gitarrenarbeit gibt One Man and his Droid diesen tollen "postigen" Charme. Zudem lassen zig Ecken und Kanten im Sound die sonst eher wohligen, hochmelodischen Songs mit ihrem harmonischen Emosingsang, ziemlich ehrlich und brüchig rüberkommen. Ganz selten gibt's auch heftigere Ausbrüche, was aber nicht repräsentativ für "Party People" ist. Stattdessen wird der Rest der Emotionspalette abgewälzt, zwischen Melancholie, Ironie und Begeisterung und immer verdammt intensiv. Grad die Texte sind größtenteils sehr erwachsen, nur um ab und zu wieder in jugendliches Geplänkel zurückzufallen. GANZ groß! Diese Platte is so verdammt mutig, dass man einfach seinen Hut ziehen muss. Besonders wenn man bedenkt, dass die Truppe a. verdammt jung ist und b. aus Deutschland kommt (nicht abwertend verstehen, aber sowas gibt's in Europa allgemein halt verdammt selten). Auch wenn One Man and his Droid durchaus bei Fans dieses angesagten Emocore / Screamo-Sounds punkten könnten, würd ich sagen, es wäre unfair sie in ne Schublade mit den anderen Kapellen zu stecken. Übrigens wie schon erwähnt eine überragende Entwicklung zum noch etwas orientierungslosen Vorgängeralbum... musikalisch, textlich, gesanglich UND produktionstechnisch. Hier ist jeder Song ein Hit und spätestens wenn beim abschließenden "And you could give your Cat a better Name" Holger von Pale, eine der schönsten Emo-Stimmen überhaupt, miteinstimmt sollte jeder Höhrer gewonnen sein. Wenn die wirklich erwachsen werden, dann werden die noch viel größer, nehmt mich beim Wort. Wer schon jetzt so viele Hits in petto hat, der MUSS einfach noch hoch hinausschießen. Lieblingssongs: "Indianapolis" (1), "Counting on five Fingers" (2), "Drop that Beautiful" (4), "Learnin' by Doing" (7), "And you could give your Cat a better Name" (10)
05. AFI - "Sing the Sorrow" (Universal)
Man kennt sowas. Ne Band löst sich von allem, zieht ihr Ding durch und spielt eine Platte ein voller Leidenschaft, voller Emotionen und voller Hits... "die Platte des Lebens", nennt man das wohl. Und genau die dürfte AFI mit "Sing the Sorrow" gelungen sein. AFI spielten schon immer sehr überzeugenden Hardcore-Pop-Punk mit Gothic-Attitüde, aber ein richtiger Überflieger gelang ihnen nie... aber "Sing the Sorrow", das übrigens vom Ex-Nirvana-Produzenten gemixt wurde, ist soviel mehr. Hier stimmt jeder Moment, jeder Song, jede Minute, jeder Takt. Das hier lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Emocore, Screamo, Poppunk, Hardcore-Punk, Post-Hardcore, ja, alles mit an Bord. Vorallem unglaublich wie frisch, jugendlich und unbekümmert die Jungs hier drauflos spielen, schließlich ist "Sing the Sorrow" schon ihr 5. (!) Album. Jeder Song trifft ins Schwarze, jeder is irgendwo ein Ohrwurm und ein Hit. "Die Platte des Lebens"... wahrscheinlich. Wer also auf die oben erwähnte Stile steht und mit dem relativ hohen, kindlichen Gesang des Frontmanns klar kommt, der wird "Sing the Sorrow" lieben lernen. An vielen Stellen erinnern mich AFI mit dieser Platte sogar an eine Pop-Punk-Version von At the Drive-In (was das Händchen für Melodien, Ausbrüche und Songstrukturen angeht) man kann also verdammt gespannt sein, wie die nächste Platte wird. Lieblingssongs: "Bleed Black" (3), "Girl's not grey" (6), "Death of Season" (7), "This Celluloid Dream" (10), "...but Home is nowhere" (12)
06. On the Might of Princes - "Sirens" (Revelation)
On the Might of Princes gehören wie die oben besprochenen Since by Man und Cursive ebenfalls zu den Bands, die man in keine Schublade zwängen kann. Man könnte sagen, die Jungs spielen progressiven Emo, "Future"-Screamo oder einfach nur enorm vielschichtigen Post-Hardcore. Auf jeden Fall eine Musik die soviel weiter ist als die der ganzen Emo- und Screamocore-Kapellen, die jedem Trend hinterher hecheln. Das Fundament ist eine Mischung aus Post-HC im Stile von At the Drive-In (wenn die ruhiger wären), verträumtem Emorock wie er in den 90ern gespielt wurde und modernem Emocore / Screamo, ohne viel Geschrei und komplett ohne Metal oder Mosh. Hinzu kommt allerdings eine Verspieltheit und eine Komplexität, die On the Might of Princes verdammt oft in die Nähe des Mathrocks rückt. Das Songwriting ist völlig eigenständig und hochintelligent, durchsetzt von vielen Breaks, dutzenden (!) überragenden kleinen Melodien, virtuosen Melodiebögen, Experimenten, kleinen aber enorm packenden Abgehparts und ganz selten sogar mit richtigen Ausbrüchen. Der Vocalist schreit aber nur zwei bis drei Mal so richtig auf der Platte, auch wenn der sonst recht harmonische, wenn auch sehr zerfahrene Gesang öfter mal aggressiver und zuweilen auch recht psychopathisch wird. Tolle Bandbreite hier, auf jeden Fall. On the Might of Princes machten sich mit ihren beiden Alben auf jeden Fall zu eine der eigenständigsten und wichtigsten Bands im ganzen Hardcore-Kosmos und wohl zu den wenigen die ungewollt das Erbe von At the Drive-In angetreten haben. Rein qualitativ hätten die Jungs alles mitgebracht, aber es sollt halt nicht sein und so löste sich die Band nach "Sirens" leider auf. Wenn man an diesem kleinen Meisterwerk überhaupt was kritisieren kann, dann, dass die zweite Hälfte nicht ganz mit der ersten mithalten kann. In der zweiten Hälfte rückt mir persönlich der Hardcore etwas zu sehr in den Hintergrund und die oben erwähnten tollen Abgehparts, Ausbrüche und aggressiveren Vocals weichen vielen, teils längeren Instrumental-Passagen und einer melancholischeren Stimmung. Aber ein Ausfall ist an keiner Stelle zu vermelden, absoluter Pflichtkauf für jeden der mal was Neues hören will und nur annähernd was mit Post-HC anfangen kann. Lieblingssongs: "The Swell and the Breaking" (3), "You whistle, i'll shoot" (4), "Here come the Sirens" (5), "Cloak & Dagger" (10)
07. Engrave - "Stealing from Death a few desperate Moments of Life" (Defiance)
Es gibt Bands die wissen die Deutschen gar nicht zu schätzen. Und auch wenn ich keiner bin, sag ich immer wieder "ich bin stolz auf Engrave... als Europäer", wohl gemerkt. Denn was die Jungs aus dem Westen Deutschlands hier abliefern ist in dem Bereich nicht nur im europäischen Chaossektor Referenz, sondern kann sich auch locker mit den Amis messen lassen. Ich persönlich seh "Stealing from Death..." mindestens auf einem Level mit sämtlichen Converge-Platte, teils sogar drüber. Dank den etwas brüchigeren und herzzereißenderen Vocals, vieler innovativer Ideen in den Songs selbst und einem recht eigenständigem Songwriting, wirken Engrave aber nicht wie ein plumpes Abziehbild von Converge. Vorallem aber kommt das Ganze soundtechnisch a. nicht so pompös rüber und b. einfach mehr "aus dem Keller", das hier ist emotionaler und selbstangreifender als alles was Converge je gemacht haben... und in Sachen Intensität und Aggression absolute Spitzenklasse. Gerade die tollen melodischen Gitarren und die vielen verdammt innovativen Breaks und Ausbrüche sorgen dafür, dass die Platte alles andere als stumpf ist. Im Gegenteil! "Stealing from Death..." ist komplex und braucht Zeit, gibt einem als Höhrer aber auch eine Chance dazu. Engrave sind einfach eine großartige Band, die in ihrer viel zu kurzen Karriere alles richtig gemacht hat. Wenn ich nur fünf Bands nennen dürfte, die meine eigene Band beeinflusst haben, Engrave wären dabei... aber sowas von! Btw, ihre erste und einzige LP und vielleicht grad deswegen so intensiv. Lieblingssongs: "Cowboy Mentality" (1), "Night Sky Repercussions" (4), "And what hurts the most, is that i can't do or say a damn Thing about it" (5)
08. Fordirelifesake - "Breathing is only half the Function" (Skipworth)
Achtung! Das hier ist für all jene, denen From Autumn to Ashes mit "The Fiction we live" zu soft und zu sehr Emo wurden. Fordirelifesake spielen nämlich ebenfalls melodischen, aber größtenteils sehr heftigen Moshcore mit einigen eingestreuten Emo-Passagen und vielen tollen Einfällen. Vielleicht hat "Breathing is only half the Function" nicht ganz so viele Einfälle wie "Too bad you’re beautiful", aber es ziehen sich durchaus einige Vergleiche auf. Die halb-akkustische Emo-Ballade hatten FATA an dritter Stelle, Fordirelifesake haben sie an vierter Stelle und bekommen zudem noch Unterstützung von Kara Dupuy, die ganz stark an die Frauenstimme von FATA erinnert. Und genau diese schöne Frauenstimme von Kara liefert sich zu Ende des Songs ein packendes Duell mit dem Shouter. Eine wunderbare Mischung, die ich im Genre gern öfter hören würde. Das darauffolgende beste Stück der Platte "Four Letter Lie" wird durch ein wunderbares Drumming eingeleitet und knallt einem gleich zu Anfang den besten Ausbruch der Platte entgegen. Nach einem kurzen Zwischenspiel wird der Song von deftigen Moshparts zerstört, nur um sich zum Ende hin wieder Richtung Emo hin zu entwickeln, genau da wo die gute Kara Dupuy mit ihrem Gesang wieder einsetzt. Wie schon angedeutet, sind es grad die gedoppelt, ganz selten sogar dreifachen gesungenen / geschrienen und verdammt abwechslungsreicen Vocals, die diese Band zu mehr als einer Moshcore-Kapelle unter vielen machen. Vorallem ist aber auch die musikalische Abteilung sehr toll, gerade den schönen Schlagzeugsound und das versierte Spiel des Drummers möchte ich heraushaben, aber auch die Moshparts sind nicht von schlechten Eltern. Und wie ganz zu Anfang schon angedeutet, lassen es Fordirelifesake bis auf zwei ruhigere Songs, immer enorm krachen. Es sind also nicht nur die Songs in denen vornehmlich Emoparts eingestreut werden, die überzeugen, auch die ausschließlich harten Songs rocken ungemein. Fordirelifesake sind eine wirklich tolle Band, die das Potenzial dazu hat, in die Fußstapfen von FATA zu treten. Lieblingssongs: "Just a Memory" (3), "Cross my Heart, hope to die" (4), "Four Letter Lie" (5), "Sometimes like the Tide" (7)
09. Horse the Band - "R. Borlax" (Pluto)
Der Innovationspreis 2003 geht ganz klar an die witzigen Horse the Band. Die Jungs spielen auf "R. Borlax" absolut leidenschaftlichen New School-Hardcore irgendwo zwischen verspieltem Metalcore und manischem Chaoscore. Vergleiche sind hier schon ziemlich schwer, grad, da der Sänger so psychopathisch shoutet und kreischt, dass einem jeder Vergleich im Hals stecken bleibt. Jetzt wäre diese Band eigentlich schon SO ziemlich geil, was sie aber wirklich einzigartig macht, ist die Integrierung eines Keyboards. Eines ständig anwesenden Keyboards, das gleichberechtigt neben den anderen Instrumenten steht. Das Besondere ist, dass Horse the Band ihre Musik "Nintendocore" nennen, da sie absolut freakige Keyboard-Melodien und -Soundteppiche wie man sie in der 8- und 16-Bit-Videospiel-Ära (also zur Hochphase von Nintendo) mit ihrem eh schon recht durchgeknallten Hardcore verbinden. Das kommt beizeiten etwas cheesy rüber (aber sympathisch "cheesy"), beizeiten ziemlich krank, beizeiten aber auch hochmelodiös oder beängstigend. Die Keyboard-Sounds unterstützen die Atmosphäre enorm und geben dem Sound von Horse the Band diesen einmaligen Charme. Grad wer ein alter Videospiel-Nerd ist, wird sich hier an vielen Referenzen erfreuen. Wie durchgeknallt diese Band ist und wie ernst sie es mit diesem "Nintendocore" meinen, merkt man erst, wenn man die Texte etwas studiert und im Hinterkopf behält, dass die Band totale Videospiel-Fanatiker sind. Denn im Grunde ist "R. Borlax" so gesehen ein Konzeptalbum, bei denen sich der Sänger in ein Videospiel hineinversetzt, ob in die Haut des Helden, in die des Bösewichts oder in erzählender Art und Weise. Ziemlich krank... aber alles andere als belanglos. Im Gegenteil, Wut, Angst, ne gewisse Melancholie, Panik, Verrücktheit und ne dicke Portion Ironie, eigentlich alles das man so bei Videospielen bekommt, gibt's auch auf dieser tollen Scheibe. Lieblingssongs: "Cutsman" (2), "In the Wake of the Bunt" (3), "Pol's Voice" (9)
10. Shai Hulud - "That within Blood ill-tempered" (Revelation)
Siehe da, nach Since by Man und On the Might of Princess die dritte Revelation-Band, die sich unter den ersten zehn platzieren kann. Und hier sei mal ein dickes Lob an Shai Hulud ausgesprochen, die es mit "That within Blood ill-tempered" geschafft haben, sich selbst in modernem Gewand zu präsentieren. Mag heißen, das hier ist noch eindeutig Shai Hulud, wie ich es in den 90er Jahren kennengelernt hab, aber mit zeitgemäßem Sound und einer gewissen Weiterentwicklung. Klar, das Ganze is nich mehr so sympathisch Lo-Fi wie auf ihrem Meisterwerk "Hearts once nourished with Hope an Compassion", es ist nich mehr so punkig und bietet mir persönlich auch zu wenig Moshparts... aber dafür sind die Songs komplexer, es wird hier ein intelligentes Chaos fabriziert, mit erneut intensivem Shouting, einer düsteren Grundstimmung, überragenden Voice-Samples, der lieben gelernten melodischen Leadgitarre, verzweifelten Texten und abermals grandiosen Melodien. Wenn man als alter Fan und Nörgler was kritisieren kann, dann, dass die neuesten Songs lang nicht so flüssig wie die früheren sind und man was Songstrukturen anbelangt eher Truppen wie Dillinger Escape Plan als Poison the Well bemühen müsste... also fast mehr Chaoscore als Florida-New School. Aber am ehesten platziert sich "That within Blood ill-tempered" irgendwo dazwischen. Im Grunde muss man aber sagen, dass Shai Hulud hier dutzende tolle Parts haben, aber sich oftmals schwer tun einen homogenen Song drauß zu machen... zumindest anfangs scheints so, denn man tut sich hier verdammt schwer irgendeine Struktur (die frühere durchaus vorhanden war) zu finden, bei den ganzen Tempi- und Stimmungswechsel in den Songs. Aber je länger man sich reinhört, desto mehr entdeckt man wie diese Platte tickt. Man muss sich hier auf jeden Fall länger reinhören, als in frühere Shai Hulud-Scheiben. Nichtsdestotrotz wiederum eine grandiose Platte einer der wichtigsten Hardcore-Bands aller Zeiten. Miss ya! Lieblingssongs: "The Consummate Dragon" (3), "Willing oneself to forget what cannot otherwise be forgiven" (4), "Two and Twenty Misfortunes" (5)
11. Billy Talent - "s/t" (Atlantic)
Hit! Hit! Hit! Mehr kann man hier nicht sagen. Mit Billy Talent kommt eine junge Band aus Kanada direkt aus dem Nichts und legt ein Album vor, dass nur so vor tollen Melodien, rockenden Passagen und eingängigen Refrains strotzt. Ich tu mir hier verdammt schwer irgendeine Referenz zu nennen oder Billy Talent in irgendeine Schublade zu werfen. Poppiger Punk trifft auf höchst eingängigen Rock'n'Roll und ein beeindruckendes, im Grunde sogar eifersüchtig machendes Händchen für grandiose Melodien, Songeinfälle und eine Spielfreude wie man sie nur von den besten Bands dieser Welt kennt, versetzt mit teils kindlichen, teils schroffen, teils dezent geisteskranken, teils emomäßigem Gesang, irgendwo zwischen Cedric Bixler und Fat Mike. Hinzu kommt noch die ein oder andere Hardcore-Kante, die dem Sound noch den letzten Schuss gibt. Die Songs rocken alle, ihnen scheint die Sonne aus dem Arsch, alles Ohrwürmer, die perfekte Sommerplatte. Nichtsdestotrotz werden auch ab und an ernstere Töne angeschlagen, wie bei "The Ex", dem Song mit dem sich selbst der letzte Trottel dieser Welt identifizieren kann oder wie im überragenden "Prisoners of Today", bei dem der ganze Hass über Bord geworfen wird. Wenn so doch nur der Mainstream aussehen könnte, ich würd mich von ihm treiben lassen. Wenn man überhaupt was beklagen kann, dann dass die Platte nicht gerade komplex ist und praktisch jeder Song beim ersten Hören "bing" macht und sich ins Gehirn eines jeden Höhrer einnistet. Folge daraus ist, dass man sich recht schnell dran satt gehört hat. Aber legt man die Platte nach längerer Zeit wieder mal auf, rockt sie dafür umso mehr. Lieblingssongs: "Try honesty" (3), "The Ex" (6), "River below" (7), "Prisoners of Today" (10)
12. Rancid - "Indestructible" (WEA)
Beeindruckend. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn man eines nicht mehr erwartet hätte, dann dass Rancid noch mal ein ähnliches Hammeralbum wie "And out come the Wolves" vorlegen. Vorallem hört sich die Band immer noch so jugendlich, verspielt und frisch wie vor 10 Jahren an. Tim Armstrong's Organ ist noch immer das selbe, was einen schon irgendwie verwundert. Im Großen und Ganzen erinnert die Platte nicht nur wegen der ebenfalls 19 Nummern an Rancid's Meisterwerk, sondern auch weil die Qualität hier ähnlich hoch ist und mit einigen Pausenfüllern die dazugehören (aber nie zweimal hintereinander kommen) ebenfalls Hit an Hit gereiht wird. Der Sound ist allerdings nicht mehr so poppig, beschwingt und "ska-ig" wie früher, viel eher macht "Indestructible" ab und an unheimlichen Druck. Beim Hardcore-Punk-Brecher "Out of Control" z.b., beim angepissten "David Courtney" oder beim aberwitzgen Höllenritt "Django". Aber man ist auch wieder offen für Experimente, was die dezent kitschige "Karibik-und-unter-Palmen"-Nummer "Arrested in Shanghai" zeigt. Welches Händchen für tolle Melodien und eingängige Songstrukturen Rancid haben beweisen sie abermals, diesmal aber nicht im Sinne eines "Ruby Soho", sondern dezent erwachsener. Siehe "Travis Bickle". Siehe das aufdringliche, ENORM rockende "Spirit of 87", das mein Lieblingssong der Platte ist und Klassiker wie "Time Bomb" oder "Roots Radicals" fast vergessen lässt. Also insofern gab's auf jeden Fall ne Weiterentwicklung. Die Stimmung ist auf auch etwas anders, nicht mehr ganz so locker und naiv-melancholisch, dafür aber angepisster und zuweilen als Kontrastprogramm wieder ziemlich gut gelaunt. Klar, sind ja doch 10 Jahre vergangen. Zum Abschluss gibt's mit "Otherside" eine absolute berührende Punkrock-Hymne, grad wenn man bedenkt, dass Tim Armstrong den Song für einen verlorenen Freund geschrieben hat. DAS ist poppiger Punkrock wie er sein muss. Rancid sind Gott und eine der wichtigsten Bands aller Zeiten. Ich liebe sie. Lieblingssongs: "Out of Control" (6), "Travis Bickle" (9), "Spirit of '87" (11), "Otherside" (19)
13. Jealous Sound, The - "Kill them with Kindness" (Better Looking)
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14. With Resistance - "s/t" (Immigrant Sun)
Immigrant Sun rockt! Das kleine Label aus New York bringt immer wieder tolle neue Bands an Land, zumeist im Bereich des modernen Hardcores. Man without Plan, Nakatomi Plaza, The Cable Car Theory, Circles over Sidelights... nur um mal die besten zu nennen. Aber auch abseits dieses Sounds bietet das Label was. Z.b. die bezaubernde Amanda Rogers, die mit ihrem melancholischen Singer/Songwriter-Stuff irgendwie überhaupt nicht zu diesem Label passt oder die witzigen Melodycoreler von Monty Love. Aber die beste Band auf Immigrant Sun sind eindeutig With Resistance... zumindest nach meinem subjektiven Empfinden. With Resistance spielen nämlich kompromisslos moshigen (ja, verdammt moshigen) New School-Hardcore in bester Poison the Well-Tradition, wirken durch die Miteinbeziehung der ein oder andere chaotischen Kante aber viel heftiger. Zudem ist ständig eine gewisse, unterschwellige Melodiösität vorhanden, was den Songs den letzten Kick gibt. Ohne aber auch nur einmal ernsthaft in Emo-Gefilde abzuschweifen, wie es viele andere Bands dieses Genres ja tun. Wenn man überhaupt was kritsieren kann, dann, dass die Gitarrenarbeit nicht sonderlich abwechslungsreich ist und man nicht selten die selben moshigen Riffs um die Ohren gepfeffert bekommt. Aber da diese so geil sind, rockt die erste LP von With Resistance durchgehend. Absolute Pflicht für New School-Freunde... und das Potenzial ist hier noch lange nicht ausgeschöpft, das hört man an allen Ecken und Enden. Lieblingssongs: "Subject Matter" (1), "Nathan ate the last Box of Crayons" (2), "Peripherals" (4)
15. Blood Brothers, The - "Burn Piano Island, burn" (Second Nature)
Sie kamen, sie veranstalten ein kurzes Chaos und verschwanden auch schon wieder... nur um ein Jahr später mit "March on Electric Children" eine der besten und intelligentesten Chaos-Scheiben aller Zeiten vorzulegen: Die Blood Brothers. Das sprach sich zunächst nur in Hardcore-Hausen rum, drang aber wohl auch zu einem Mann namens Ross Robinson durch. Und so fragte der gute Ross mal an, ob er nicht die neueste Platte der Blood Brothers produzieren könnte. Die Dinge nahmen seinen Lauf und die Blood Brothers wurden szeneübergreifend bekannt. Die Musik auf "Burn Piano Island, burn" lässt sich das irgendwie anmerken... irgendwie aber auch gar nicht. Denn die Zutaten wie das heftige Gekreische, die durchgeknallten Songideen und die krachigen Ausbrüche blieben übrig und sorgten dafür, dass die Blood Brothers mit dem Radio weiterhin auf Kriegsfuß standen. Allerdings hat sich der Kontext ganz eindeutig verändert. Mal abgesehen von der fetten Produktion (die beiden Vorgänger waren in der Beziehung ja mehr als Lo-Fi) hat sich vorallem bei den Songstrukturen so einiges getan. Wo man früher einfach ein Chaos ohne Rücksicht auf Verluste anzettelte, da versucht man jetzt das Chaos in Songgefüge einzuordnen. Und das gelingt den Blood Brothers hervorragend, da fast jeder Song auf "Piano Island" ein eingängiger Hit ist und man als alter Fan zuerst verwundert um sich schlägt, vor lauter Überraschung, dass die Blood Brothers sowas zu Stande gebracht haben. Und vorallem, dass die neuen Songs jetzt allesamt richtige Refrains haben, was man ja früher mit der Lupe suchen musste. Allerdings hat diese Eingängigkeit für den alten Höhrer mehr Nach- als Vorteile. Die Songs nutzten sich bei mir persönlich viel schneller ab als früher, da fast alle beim ersten mal hängen blieben und man einfach nicht mehr so viel zu entdecken hatte. Außerdem haben die neuen Songs fast alle einen ziemlich ähnlichen Drive und phasenweise auch einen ähnlich Aufbau, was das Hörerlebnis einfach nicht so abwechslungsreich macht wie bei "March on Electric Children" oder dem darauffolgenden "Crimes". Obwohl mich die "Piano Island" also in einigen Punkten enttäuschte, muss man sagen, dass in einigen Punkten auf jeden Fall große Schritte nach vorne gemacht wurden. Tolle Refrains, wunderschön makabere Melodien und kranke Songideen gibt's hier zu Hauf! Und auch größere Experimente, wie bei den Halbballaden "The Salesman, Denver Max" oder "The Shame". Schlussendlich ist "Piano Island" eine absolut essenzielle Scheibe für Genrefans, in meinem Blood Brothers-Ranking nimmt sie aber ganz klar nur Platz 3 ein. Lieblingssongs: "Every Breath is a Bomb" (4), "Ambulance vs. Ambulance" (5), "Cecilia and the Silhouette Saloon" (7)
16. Beloved - "Failure on" (Golf)
Hätten Poison the Well früher den Emocore in ihren Sound aufgenommen, sie hätten wohl so geklungen wie Beloved. Denn was Beloved aus den zahlreichen anderen Bands, die moshigen Hardcore mit Emocore verbinden, heraushebt, ist, dass ihre harten Parts auch wirklich verdammt hart sind und nicht so aufgesetzt klingen, wie bei vielen anderen Bands. Brutales Geschrei (der Shouter klingt fast 1:1 so wie der von FATA), eine fette Doublebass und enorm packende Moshparts verschmelzen dann in einem Hardcore-Inferno. Müsste man Beloved auf Teufel komm raus beschreiben, würds ein "Alte From Autumn to Ashes meets alte Boysetsfire / Thursday mit einer Prise Poison the Well" wohl am besten treffen. Das Trademark der Band sind allerdings sicherlich die relativ komplexen Songstrukturen, die auch von der Länge her schon mal umfangreicher ausfallen als die üblichen 3-Minuten-Hardcore-Nummern. Die Band reiht dann viele einfallsreiche Experimente, deftige Moshparts und von melodischer Leadgitarre getragene Emo-Passagen aneinander, dass einem öfter mal schwindlig wird. Die gesungenen Parts klingen dabei nie kitschig und auch nie übertrieben zärtlich, sondern eher recht brüchig und ehrlich. Leider sind nur etwas die Hälfte der 16 Songs (die europäische Pressung von "Failure on" enthält als Bonus noch die 6-Song-EP "The Running", was in der Summe einen fast 75-minütigen Hörspaß mit sich bringt) wirkliche Hits, die anderen sind zwar keine Totalausfälle können aber einfach nicht dieses hohe Niveau halten... und mit hohes Niveau mein ich das auch wirklich, da ich die zwei, drei besten Songs der Platte überhaupt zum besten zähle, das jemals im Genre gemacht wurde. Derart überragend und komplex wie oben beschrieben ist z.b. der Titelsong "Failure on my Lips", das innerhalb der ersten zweieinhalb Minuten drei völlig unterschiedliche, aber durch die Bank höllisch rockende Moshparts aneinanderreiht. Außerdem noch ziemlich stark sind die drei folgenden Nummern "Only our Faces hide", "Rise & Fall" und "Death to Traitors", sowie der aufdringliche Überhit "Inner Pattern" und das beschwingte "The Blue Period". Der beste Song ist allerdings das hochkomplexe "Kiss it Goodbye", das man fast schon als New School-Hardcore-Epos bezeichnen kann. Eingeleitet von einem kurzen Voicesample, vermengen Beloved hier zig einfallsreiche Parts, innovative Geisteblitze, intelligentes Songwriting und viele Tempo- und Stimmungswechsel zu einem 7-minütigen Höllenritt, der in einem enorm berührenden Finale sein Ende findet. Wäre der Rest der Platte auf diesem Niveau, würd ich hier Beloved als neue New School-Götter abfeieren. Aber auch so gehören die Jungs eindeutig zu den besten Bands dieser Sparte... auch wenn ich "Failure on" eindeutig eher Fans dieses alten melodischen Moshcores als Fans des neuartigen Neo-Screamos empfehlen würde... Lieblingssongs: "Failure on my Lips" (1), "Inner Pattern" (7), "Kiss it Goodbye" (11)
17. This Day Forward - "In Response" (Equal Vision)
Ein hässliches Cover mit einem glatzköpfigem Anzugsträger, der in ein Megaphon hineinschreit... könnte auch von einer Techno- oder New-Metal-Kapelle sein. Aber ansonsten ist "In Response" die erhofft geile Scheibe geworden. Zwar rücken sich This Day Forward damit komplett Richtung Bands wie Thrice, Thursday, The Beautiful Mistake oder Taking Back Sunday, aber trotz allem sind hier so viel eigene Trademarks vorhanden, damit This Day Forward absolut eigenständig dastehen. Am ehesten erinnert "In Response" mit seinen verdammt vielen virtuosen Parts an Hopesfall's "The Satellite Years", auch wenn es eindeutig weniger Mosh- und Abgehparts bietet, als dieses. Denkt man also an ein etwas gezähmteres "The Satellite Years" ohne Moshparts, so hat man ne ungefähre Vorstellung von "In Response". Allerdings treiben es This Day Forward mit ihrer Virtuosität mehr auf den Gipfel als dies Hopesfall taten. Dabei raus kommen einige Songs die ausschließlich ruhig-verträumt sind, viele verzerrte Gesangsstimmen und elektronische Spielereien an vielen Ecken und Enden. "Hypnotisch" oder "spacig" trifft's wohl am besten, beim originellesten Song der Scheibe "The Red Room" schlagen die Jungs sogar richtig "wave-ige" Akzente an. Sehr geil. Zwar schade, dass der Moshcore von früher, der die Band in einer Liga mit Shai Hulud und Poison the Well spielen ließ, komplett verschwunden ist... aber abgesehen davon hat sich verdammt viel gebessert. Die Songs z.b. sind jetzt um einiges abwechslungsreicher, grad das Spektrum der Vocalisten ist nun viel weiter: geschriehen, gebrüllt, gekreischt, halb gesprochen, sanft gesungen, säuselnd, flüsternd oder vom Computer verzerrt. Das letzte Drittel von "In Response" wird mir persönlich aber etwas zu gefällig, der Emo-Anteil nimmt zu, diese einnehmende Spacigkeit der ersten Hälfte verschwindet und die Platte duselt bis zum Ende so vor sich hin. Schlussendlich kann zwar sagen "Stilwechsel gelungen", aber in ihrem alten Bereich gehörten This Day Forward zur Spitze, im neuen müssen sie sich erstmal behaupten. Auf jeden Fall ist "In Response" eine stilistisch enorm erfrischende Platte geworden, die einen ziemlich einnehmen kann. Mir persönlich rumpelt's aber dann doch zu wenig, als dass ich es New School-Freunden empfehlen würde. Aber fürn Rest ist "In Response" Pflicht! Lieblingssongs: "The Breath" (3), "Euphio Question" (5), "The Red Room" (7)
18. Used, The - "s/t" (Reprise)
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19. From Autumn to Ashes - "The Fiction we live" (Vagrant)
"Too bad you're beautiful" ist wohl die Platte die es als einzige perfekt geschafft hat absolut überragende Emoparts in moshigen New School-Hardcore einzuflechten. Und auch eine der Platten, die man als Synonym für diesen Sound hernehmen kann, eine Platte die alles hatte, eine Platte für die Ewigkeit. Das war New School. "The Fiction we live" dagegen ist Emocore. Ja, von hinten bis vorne. Klar, auch hier gibt's noch (ganz seltene) Moshpartchen, heftiges Geschrei und tolle Ausbrüche... allerdings in einem komplett anderen Kontext, in einem komplett anderen Songwriting-Stil und mit einer glattpolierten Top-Notch-Produktion. Die sonst so brüchig berührenden gesungenen Vocals kommen jetzt so richtig hochpoliert und käsig rüber. Ich musst besonders über die Leute lachen, die in Rezensionen meinten "FATA knüpfen mit dem neuen Album dort an wo sie mit dem alten aufgehört haben". Lächerlich. Auch wenn die einzelnen Teile zum Teil noch vorhanden sind, ist hier der Flow und die gesamte Grundstimmung der Platte um 180° gewendet. "The Fiction we live" bietet vom Aufbau her ausschließlich gefällige Emocore / Screamo-Songs, die zum Großteil berechenbar sind... und genau das war "Too bad you're beautiful" ja mal überhaupt nicht. Außerdem war eine Musikscheibe schon immer mehr als die Summe der einzelnen Teile. Und jetzt mal Luft holen und klar denken... denn vergisst man den tollen Vorgänger komplett, dann ist "The Fiction we live" eine wirklich tolle Scheibe. Angefangen beim treibenden Opener "The After Dinner Payback" weiter zum wunderbar kitschigen "No Trivia" (mit der Textzeile "of course i don't belive in fate", die so glatt und lieblich in die Fresse kommt, dass man sich fast schämt mitzusingen), zum packenden "I am the Best at Ruining my Life", zum zweitbesten Song des Albums "The Second Wrong makes you feel right", das mit heftigen Schrei- und Kreischattacken, einem unkonventionellen Aufbau und einem enorm berührenden Outro fast an "Too bad you're beautiful"-Zeiten erinnert und endend beim meiner Meinung nach besten Song, dem tollen "Every Reason to", bei dem sich der Shouter und der Vocalist ein unheimlich geiles Duell liefern, unterlegt von einer wirklich schönen melodischen Gitarre. Rockt enorm, was selten ist auf der neuen Scheibe. Ansonsten... Emo? Ja. Hardcore? Kaum. Mosh? Ach, hau ab. Pausenfüller? Ja, einige. Midtempo? Durchwegs. Lowtempo? Ab und an. High Speed? Du Träumer! Wer sich also nicht so Fanat ist in "Too bad you're beautiful" oder FATA überhaupt nicht kennt, der bekommt eine der besten Platten des Jahres, aus diesem Bereich. Mal sehen wo die Reise für diese liebgewonnene Band hinführt... Lieblingssongs: "No Trivia" (3), "The Second Wrong makes you feel right" (5), "Every Reason to" (6)
20. Thrice - "The Artist in the Ambulance" (Island)
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21. Thursday - "War all the Time" (Island)
"War all the Time"? Thursday plötzlich politisch? Gegen Bush? Nein, nicht ganz. Sehr wohl aber befassen sich die Texte auf der neuesten LP zunehmend mehr mit Weltschmerz als mit dem persönlichen Schmerz. Und genau das merkt man der Platte auch musikalisch an. Denn nicht nur textlich, sondern auch musikalisch ist "War all the Time" das mit Abstand schwächste Album von Thursday... es ist einfach nicht so intensiv wie die beiden Vorgänger. Der Sound ist nicht unbedingt "glattpoliert", er hat schon noch genug Kanten, aber die Songs sind eindeutig radiofreundlicher, nicht so heftig, nicht so Hardcore wie "Full Collapse". Aber eben auch nicht so verzweifelt, niedergeschlagen und emotional wie aufm Debüt "Waiting". Abgesehen davon bekommt man viele Emo-Rock-Hits mit leichter Hardcorekante (allerdings darf der Shouter im Vergleich zu "Full Collapse" nur mehr recht selten ran) um die Ohren. Gerade anfangs mit dem Trio "For the Workforce, drowning", "Between Rupture and Rapture" und "Division St." denkt man noch Thursday könnten dort anknüpfen wo sie aufgehört haben. Allerdings sind mit "Signals over the Air" und den beiden Totalausfällen "Asleep in the Chapel" und "M. Shepard" einige Füller drauf. Und auch der, hier nicht erwähnte, Rest pendelt sich leider nur irgendwo zwischen "ganz nett" und "ganz gut" ein. Somit ist "War all the Time" im Genre-Kontext ein zwar wirklich überzeugendes Album geworden, dass im Vergleich zu den beiden Vorgängern aber natürlich enttäuschend ausfällt und in keinem Moment die Intensität von Songs wie "Dying in New Brunswick", "Streaks in the Sky", "Paris in Flames" oder "Autobiography of a Nation" erreicht. So richtig geholfen wurd mit dem Album auch keinem, weder den Fans, noch der Band, die in ein kleines Loch stürzte. Geoff Rickly meinte nach "War all the Time" ja auch, dass das nächste Album das entscheidende ist, das das den Weitergang der Band bestimmt. Man kann also nur gespannt sein... Lieblingssongs: "For the Workforce, drowning" (1), "Between Rupture and Rapture" (2), "This Song brought to you by a Falling Bomb" (7)
Assistant, The - "We'll make the Roads by Walking" (Nova)
Blink 182 - "s/t" (Geffen)
Boysetsfire - "Tomorrow come today" (Wind Up)
Death of Anna Karina, The - "s/t" (Heroine)
Fall of Troy, The - "s/t" (Lujo)
Forstella Ford - "Well versed in Deception" (Scene Police)
Haste - "The Mercury Lift" (Defiance)
Muse - "Absolution" (Mushroom)
Nora - "Loser's Instituion" (Trustkill)
Open Hand - "The Dream" (Trustkill)
Set Up, The - "Turn to Drop Dead" (Action Driver)
Waterdown - "The Files you have on me" (Victory)

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