this borderline fuckup is also about to drool...

Sunday, September 04, 2005

Wichtige Platten 2005



01. Curl Up and Die- The One above all, the End of all that is (Revelation)
Curl Up and Die machten sich mit ihrem Debut Full-Length "Unfortunately we’re not Robots" und ihren drei Eps zu einer der besten und wichtigsten Bands im Chaossektor. Sie schafften in ihren Texten eine perfekte Balance zwischen Nihilismus, bitterbösem, aber augenzwinkerndem Sarkasmus, sowie persönlichen Gefühlen und ließen musikalisch keinen Stein auf dem anderen. Doch zumindest das hat sich nun etwas geändert... wo man früher ein Chaos fabrizierte und wie blöd um sich schlug, da hat man jetzt den eigentlichen Song mehr im Auge. In der Beziehung haben Curl Up and Die eine ähnliche Beziehung wie Converge durchgemacht. Anfangs noch etwas ungestüm, auf ihrem ersten Release, der "The only good Bug is a dead Bug"-EP (den ich bisher für ihren besten Output hielt), später das perfektionierte Chaos und nun das kontrollierte Chaos. Und ähnlich wie Converge sind sie damit auf dem bisherigen Höhepunkt angelangt... auch wenn ich weiterhin der einzige Mensch der Welt bin, der "You fail me" für die beste Converge-Scheibe hält. Curl Up and Die hatten zwar schon früher einige Verschnaufspausen in ihrem Sound, die das ganze Spektakel etwas "erträglicher" machten, aber nun haben sie einfach mehr dieser atmosphärischen Chillouts. Außerdem spielt sich jetzt ein Großteils des Albums im Midtempo ab, was hier aber mal ausnahmsweise nix Schlechtes bedeutet. Man könnte fast schon sagen, Curl Up and Die spielen Post-Chaoscore (oh Gott, hoffentlich wird da kein neues Genre geboren), da sie ähnlich wie Since by Man viele dieser virtuosen Passagen im Sound haben und gerade im Vergleich zur letzten Converge-Scheibe noch viel mehr das Chaoselement rausgenommen haben. Vorallem zeigen sie jetzt auch, dass sie an den Gitarren so einiges drauf haben, lassen gewisse Parts schleifen (teilweise fast schon Bulldozer-Style a la Turmoil oder Training for Utopia) und legen bei der Gitarrenarbeit nun einfach viel mehr Wert auf Atmosphäre und Abwechslungsreichtum. Hört man sich das überragende "There is never enough Time to do nothing", das meiner Meinung nach das beste Stück ist, dass Curl Up and Die je geschrieben haben, bekommt man ne ungefähre Richtung davon. Die Jungs ziehen hier eine enorme Gitarrenwand auf, die fast schon ans Stoner-Genre denken lässt, und koppeln diese mit wunderbaren melodischen Gitarren, sowie gesprochenen und chaotisch geschriehenen Vocals. Ein Monstersong, der zwar Curl Up and Die anno 2005 beschreiben kann, aber nicht als Synonym für "The One above all, the End of all that is" herhalten sollte. Denn anders als Transistor Transistor mit ihrer neuen Scheibe, dominiert hier eindeutig noch mehr der Hardcore, Remenenzen an andere Genre bleiben auch wirklich Remenenzen. Die technischen Metalanleihen, die durchgeknallten Abgeh- und Moshparts und das kranke Geschrei des Frontmanns sind auch auf der neuen Scheibe zu finden. Allerdings hat man jetzt eben, wie schon beschrieben, das Gesamtwerk mehr im Auge... und dabei rausgekommen ist eine Scheibe, die zeigt, wie intelligent moderner Chaoscore sein kann. Kurz nach dem Release dieser Scheibe, lösten sich Curl Up and Die übrigens auf. Das ist zwar enorm traurig, da man von dieser tollen Band noch so viel erwarten konnte... auf der anderen Seite gelang ihnen aber etwas, dass nur wenigen gelingt: auf dem Höhepunkt abzutreten! Lieblingssongs: "An uncomfortable Routine" (1), "Instrumental" (5), "There is never enough Time to do nothing" (9)
02. Finch - "Say hello to Sunshine" (Drive-Thru)
Da kommt eine gutaussehende Band wie Finch daher, macht ein Album wie "What it is to burn", spielt sich in die Herzen aller Emo-Girls und Teenage-Angst-Boys die ihre Sorgen rausscreamOen müssen und meldet sich Jahre später mit einem Album wieder, dass "Say hello to Sunshine" heißt und ein fröhliches Cover hat. Na fein. Gefälliger Screamo die Hundertste? Iwo! Projekt "Neudefinierung". Und nun plötzlich von allen Seiten attackiert, zu wenig von "What it is to burn", dem Screamo-Lager entronnen und von toughen Hardcorelern als Softies verschriehen. Projekt "Nischensuche" hat begonnen. Nein, so schlimm isses nicht. Es gab immer noch genügend Leute, die die neue Finch lobten. Allerdings ging die Platte für meine Begriffe zu sehr unter und wurde viel zu wenig gehypt. Also mach ich das halt jetzt. Hört man die ersten paar Songs rein, fragt man sich was sich da im Genre plötzlich tut. Gibt es jetzt sowas wie eine "guter Screamo"-Abteilung. Nach der überragenden "Love is worth it" von Silent Drive, letztes Jahr. Zwar nicht so grandios wie Silent Drive, aber auf jeden Fall sehr ambitioniert legen Finch nämlich los. Begeisternder Emocore / Screamo wie man ihn, von oben erwähnter Band abgesehen, in den letzten Jahren kaum besser gehört hat. Allerdings ist der neue Sound von Finch weniger direkt als der von Silent Drive, viel mehr wird der Screamocore jetzt mit verspieltem Post-Hardcore Marke On the Might of Princess oder auch At the Drive-In gekoppelt. Und wäre da nicht die größtenteils sanfte Emostimme von Nate, man würd oftmals nur ungläubig "what the fuck...Finch?" fragen. Die Jungs legen mit einer Spielfreude, einem Spielwitz und einer Begeisterung los, wie man sie schon lang nicht mehr gehört hat. Auch wenn man sich als Höhrer (und Glassjaw-Fan) anfangs noch schwer von der Referenz "Daryl Palumbo" lösen kann, wird die Platte bei jedem Neustart intensiver und markanter... bis man irgendwann zur Feststellung kommt, dass Finch mit dieser Platte einer der erfrischendsten und originellsten Hardcore-Releases der letzten Jahre gelungen ist. Wichtig ist hier die neue Komplexität, die sich nicht nur anhand der Songstrukturen "offenbart", sondern ganz besonders an den vielen Einflüssen. Ich dachte und denke beim Hören der Platte immer wieder, dutzende Male, "an welche Band erinnert mich diese Passage?", aber ich kam / komme in den seltensten Fällen drauf. "Say hello to Sunshine" wirkt so, als ob Finch dem Hardcore huldigen wollen. Sie packen nahezu alle Stile, ob Emo, Screamo, Post, New School (wenig) oder Chaos (noch weniger) drauf und verwurschteln das Ganze zu einem einzigartigem Stück Musik. Vorallem hat der Emocore den Finch spielen auch wirklich EIER, denn die Jungs rocken an allen Ecken und Enden drauflos und bringen auch genug härtere Passagen mit ein. Richtig intressant und ausgeklügt ist der Aufbau der Platte. Die ersten 6 Songs sind noch im Screamo-Rahmen, auch wenn da schon zig Experimente, rockige Akzente und verschrobene Harmonien eingeflechtet werden. So richtig besonders wird "Say hello to Sunshine" aber wohl erst mit der zweiten Hälfte. Nein, die ist nicht besser als die erste (eher gleichwertig), da die erste Hälfte Hit an Hit reiht... dafür ist sie voller Experimente und willkürlichen Referenzen. Finch leben sich später nämlich so richtig aus und machen einfach das was sie wollen. Track 7 "Hopeless Host" startet mit einem Schweinerockriff, wälzt sich in verspielten Gitarrenficks und grüßt nebenbei immer wieder Mike Patton und sein Tomahawk. Das darauffolgende "Reduced to Teeth" fährt anfangs ne dicke Gitarrenwand auf, versinkt in ruhigen Passagen und ufert in einem packenden Emo-Refrain aus. Weiter gehts mit einem der besten Songs, "A Man alone", das mit Queens of the Stone Age-mäßigen Gitarreneskapaden beginnt und im Laufe des Songs verlorene Emo-Passagen immer wieder mit einem enorm rockenden Refrain kontrastrieren lässt. Grad textlich ist dieser Song überragend. In den Strophen signiert Nate über sein Liebesleben, kommt dann aber zur Erkenntnis, dass er sich selbst irgendwie im Weg steht, um dann im dezent kranken Refrain angepisst zu verkünden "Old Man Loneliness is a Son of a bitch..." und seine Aggressionen einfach rauslässt. Hass auf andere ist tief im Inneren halt oftmals doch nur Hass auf sich selbst. Und so geht dieser Höhenflug weiter, u.a. mit Track 11 "Ravenous", in dem Nate ganz stark an Daryl Palumbo erinnert und ihm wenn's darum geht innerhalb von drei Sekunden von sanft auf geisteskrank auf bitterböse umzuswichten, in nichts nachsteht. DIE Überraschung gibt's dann beim vorletzten Song "The Casket of Roderick Usher". Ein wahnwitziger Höllenritt in dem Finch Chaos-Frickel-Core (!) spielen, wie er kaum wo besser gespielt wird. Würd auf jeder Dillinger Escape Plan-Scheibe als Highlight gelten und tut es hier natürlich auch. Im Großen und Ganzen ist "Say hello to Sunshine" also eine absolut überragende Platte mit Experimenten, Songideen, Melodien, Refrains, Überraschungen und großen Momenten für 20 weitere LPs. Finch ist eine ganz große Band, jetzt kaufen und unterstützen... oder zur Hölle fahren. Lieblingssongs: "Brother Bleed Brother" (3), "A Piece of Mind" (4), "A Man alone" (9), "The Casket of Roderick Usher" (13)
03. Head Automatica - "Decadence" (WEA)
Glassjaw-Frontmann Daryl Palumbo schnappt sich nen DJ und macht mit dem ne Scheibe. Dass da nix Übliches bei rum kommt, hat wohl selbst meine Großmutter vermutet. Der Opener "At the Speed of a yellow Bullet" gibt die Marschrichtung gleich vor: verspielte Gitarren, ein treibendes Schlagzeug, ein toll aufgelegter und verdammt vielseitiger Vocalist, enorm aufregende Songstrukturen mit richtigen Ausbrüchen, sowie ein ständig enorm tanzbares Disco-Feeling. Das hier hat trotz der markanten Stimme von Daryl überhaupt nix mit Glassjaw am Hut. Head Automatica machen irgendwas zwischen (guter!) Disco-Tanzmucke, Funk, Soul, Hip-Hop, Rock'n'Roll, 70er-Jahre-Surf-Rock und elektronischer Beat-Musik. Das Ganze ist mal mehr rap-lastig, mal rockig, mal etwas spacig, aber durch die Bank gut gelaunt und geil tanzbar. Am besten sind natürlich die Songs die nen rockigen Drive haben, wie der erwähnte Opener, wie das herzige "Beating Heart Baby", wie "Dance Party Plus" (mit Unterstützung von Tim Armstrong) oder wie der Kracher "I shot William H. Macy". Mein Favorit ist allerdings "Solid Gold Telephone", das vom Beat her eine waschechte Trip-Hop meets Drum'n'Bass-Konstellation ist, aber mit Daryl's Stimme und dem bekannten "Disco-Rock" kombiniert wird. Sehr frisch! Gut zwei Drittel der Platte lassen den Rock regieren, das andere Drittel besteht aus Rap / Soul / Funk. Und dieses Drittel kickt leider nicht ganz so wie die anderen beiden und ist einfach nicht ganz so eingängig. Ein großes Lob gebührt hier nochmal Daryl, der zeigt wie variabel er ist. Klar hört man seine Stimme raus, aber er klingt hier doch so anders als bei Glassjaw und sorgt dafür, dass Head Automatica noch eigenständiger wirken. Außerdem merkt man, welchen Spaß er hier hatte, er musste sich mal nicht vor lauter Wut und Trauer auskotzen, sondern konnte das Tanzbein schwingen. Und genau diese gute Laune haben die Jungs auf die Platte transportiert, "Decadence" ist heutzutage nicht nur einmalig und wahnsinnig originell, sondern wohl auch die beste Tanzscheibe seit Jahren, die einem bei jedem Durchlauf nen Grinser auf die Fresse zaubert. Lieblingssongs: "Beating Heart Baby" (3), "Dance Party Plus" (7), "Solid Gold Telephone" (9), "I Shot William H. Macy" (11)
04. Transistor Transistor - "Erase all Name and Likeness" (Level Plane)
Mit der überragenden EP "Put down the Bible, pick up the Bottle" und ihrer fast genauso tollen ersten, selbstbetitelten LP machten sich Transistor Transistor zu einer meiner Lieblingsbands und gleichzeitig auch zu den Bands die ich nie müde war zu empfehlen, wenn es um Geheimtipps geht. Die Kanadier verbindeten hektischen Hardcore Marke Blood Brothers perfekt mit rotzigem Punk und treibendem Garagenrock. Dabei raus kamen Nummern die leichter zugänglich waren als die einiger vergleichbarer Bands, aber trotz allem genug Komplexität hatten um länger zu fordern. Vorallem hatten die früheren Transistor Transistor-Sachen diesen unbändigen, frechen, jugendlichen Charme mit angepissten und zuweilen auch sehr humorvollen Texten. Natürlich freute ich mich demnach wie Sau auf "Erase all Name and Likeness". Und naja, was bleibt ist ein gespaltenes Gefühl. Die neue LP ist auf alle Fälle klasse, aber für mich persönlich nicht der erhoffte Überflieger geworden. Was sicherlich am leichten Stilwechsel liegt. Ich hab mich zu sehr in diesen angepissten Punk-Charme der Jungs verliebt und von diesem gibts auf der neuen Scheibe einfach weniger. Klar, die Band ist erwachsener, erweiterte ihr Spektrum und hat sich ganz eindeutig weiterentwickelt. Sowieso ergibt sich mit Bands wie Since by Man, Curl Up and Die und These Arms are Snakes gerade ne neue Sparte. Bands die verbreakten und übertrieben wütenden Chaoscore scheiße finden und die chaotischen Schreielemente mit Melodien, experimentellen Chillouts und düsteren Zwischenspielen verbinden. Man könnte das Ganze durchaus "Post-Chaoscore" nennen. Und genau da siedeln sich Transistor Transistor ein. Sie klingen wie ne gezähmte Version von Since by Man (also viel mehr Mid- und Lowtempo, weniger Geschrei, weniger Ausbrüche, dafür mehr Melodien), aber dabei trotzdem ganz eigen, weil sie die ein oder andere punkige und chaotische Kante von früher nicht ganz abschleifen können. Und das ist auch gut so, denn so nimmt man ihnen diese Entwicklung viel eher ab. Objektiv betrachtet sind einfach zu wenig schnelle Parts drin, zu wenige Ausbrüche, zu wenige Hooks, zu wenige richtige Moshparts. Was natürlich alles Blödsinn ist, aber grad als Fan der früheren Sachen vermisst man das Ganze etwas. Dafür entwickeln die Jungs beizeiten eine unvergleichlich virtuose und düstere Atmosphäre, mit sich langsam aufbauenden Songstrukturmonstern und gigantischen Melodiebögen. Siehe das vielleicht beste Stück der Scheibe, "A Sinking Ship full of Optimists", das ein enorm bedrückendes 13-Minuten-Epos darstellt, das schon jetzt ein Klassiker ist. Songs wie "Power Chord Academy" oder das grandiose "Songsanstitle" lassen dagegen den Garagenrock das Ruder übernehmen und bieten fast schon Stoner-mäßige Gitarrenarbeit, mit fetten Riffwänden. Und wären da nicht zwei, drei Füller, könnte "Erase all Name and Likeness" auf einem Level mit den neuen Scheiben von Curl Up and Die stehen. Und ganz nüchtern betrachtet muss man einfach sagen, dass die drei oben erwähnten Bands einfach die besseren, weil extremeren Songs mit mehr Hitpotenzial haben. Was aber nicht heißt, dass Transistor Transistor schlechte Songs haben, im Gegenteil! Auch so ist die neue LP ein Highlight des Jahres und ein Pflichtkauf für Fans der erwähnten Bands... Lieblingssongs: "And the Body will die" (2), "Songsanstitle" (5), "A sinking Ship full of Optimists" (11)
05. Morethanever - "Give us our Hearts back" (Guideline)
Von Morethanever hab ich vorher ehrlich gesagt kaum was gehört (Asche über mein Haupt). Was die Jungs hier mit ihrem Debütalbum allerdings vorlegen ist beeindruckend. Zumindest hier im deutschsprachigem Raum. Morethanever spielen moshigen New School-Hardcore wie er früher von Bands wie Poison the Well oder auch Shai Hulud gespielt wurde. Allerdings auf einer guten Punk-Basis, mit einem enorm treibendem Schlagzeug und vielen "Gang-Shoutings". Abgesehen von ein paar wenigen ausschließlich bretternden Nummern, sind die Songs auf "Give us our Hearts back" durchwegs melodiös, ohne aber in Emo-Gefilde abzudriften. Wenn man irgendwo einen großen Unterschied zu der amerikanischen Konkurrenz sieht, dann eindeutig bei den ziemlich simplen Texten, bei denen man merkt, dass das Englisch der Jungs wohl nicht so prall ist. Aber grad musikalisch brauchen Morethanever keinen internationalen Vergleich zu scheuen und darauf kommts am Ende ja wohl drauf an. Wenn sie jetzt noch mehr eigene Trademarks entwickeln, dann können die schon sehr bald oben mitspielen... grad die ersten vier Songs (na klar, die besten zum Anfang) sind derart überragend, dass man mit Morethanever demnächst rechnen muss, wenn's um die Genrekrone geht. Schlecht wirds danach beileibe nicht (grad zum Ende hin zieht die Platte nochmal richtig an und erinnert mit dem ausklingenden "sanfter Frauengesang meets brachialem Hardcore" unweigerlich an From Autumn to Ashes), aber eben nicht mehr derart überragend. So oder so, verdammt schön, dass Deutschland jetzt auch eine Band in DEM Sektor hat, die Ärsche tritt! Lieblingssongs: "The Tragedy" (2), "I take Regrets for Granted" (3), "Silent & Cold" (11)
06. ...And you will know us by the Trail of Dead - "Worlds apart" (Interscope)
Ich kenne ja die beiden Vorgänger-Alben "Madonna" und das abgefeierte "Source, Tags & Codes". Und obwohl beide Platten wirklich tolle Songs drauf haben, konnten sie mich nicht wirklich überzeugen... und so wollt ich "Worlds apart" eigentlich vorerst auch ignorieren. Aber als ich in einer Phase in der es mit CD-Releases mager aussah, mal hineinhörte, wurd ich überzeugt. Die Platte wurde gekauft und nach vielen vielen Durchgängen, kann ich behaupten, dass "Worlds apart" die bisher beste Trail of Dead-Scheibe ist und zwar mit Abstand! Musikalisch kann man sagen, dass die nervenaufreibende Blechtrommel aus "Source, Tags & Codes" endlich der Vergangenheit angehört und dass das Songwriting in dem Bereich wohl das beste überhaupt ist. Größter Pluspunkt ist aber der unbeschreibliche Abwechslungs- und Facettenreichtum von "Worlds apart", das is kein Vergleich mehr zu den früheren Platten. Trail of Dead haben sich endgültig von irgendwelchen Standards gelöst und machen das was sie wollen. Weiblicher Operngesang ("Ode to Isis"), russische Klagelieder ("To Russia my Homeland"), kitschiges, aber enorm berührendes Piano-Geficke ("The Summer of '91"), 7-minütige Rockopern ("Will you smile again?"), unnachahmliche, aber verdammt ironische "die Welt ist schön"-Nummern ("Worlds apart") und alles überragende Post-Rock-Brecher ("The Best") - alles geht, nix muss! Die Band hat mit diesem Release einen enormen Sprung nach vorne gemacht und könnte sich nun eigentlich entspannt zurücklehnen... bei der nächsten LP is jetzt alles drin! Von Death-Metal bis schottischer Folklore. Lieblingssongs: "Will you Smile again for me?" (2), "Worlds apart" (3), "The Best" (11)
07. System of a Down - "Mezmerize" (American)
Bei einer unberechenbaren Band wie System of a Down muss man immer drauf gespannt sein, was die nächste Platte bringt. Und im Falle von "Mezmerize" lässt sich sagen "(nahezu) alles richtig gemacht". SOAD kombinieren auf der neuesten LP die Verrücktheit ihres selbstbetitelten Erstlings ("Cigaro", "This Cocaine...") mit der überragenden Melodiösität von "Toxicity" ("Sad Statue", "Lost in Hollywood") und packen obendrauf noch einige neue Einflüsse hinzu. Da wären z.b. elektronischen Spielereien wie in "Violent Pornography", diese gewisse groovige Tanzbarkeit in "B.Y.O.B." oder die spacig-wavige Verzerrtheit in "Old School Hollywood". Was sich bei der Band an sich verändert hat sind zwei Sachen. Zum einen ist der Gesangspart von Gitarrist Daron Malakian nun viel größer. Das ist ne ziemliche Geschmackssache, da sein psychopathischer Kreischgesang viele auch etwas abschreckt. Meine Meinung ist aber, dass es dem Sound von SOAD gut tut, da die Songs durch Daron's erhöhtem Gesangs- / Shout-Part nun viel abwechslungsreicher sind und er mich persönlich mit seinem morbiden, weichen Gesang immer noch enorm berühren kann. Die zweite große Änderung ist die Gitarrenarbeit, die sich eindeutig verbessert hat. Sie wirkt nicht nur abwechslungsreicher, sondern hat auch viel mehr Pfeffer unterm Arsch. Da wo ich mir bei "Toxicity" als Hardcore-Höhrer noch oftmals dachte "ach, jetzt gebt doch mal etwas mehr Gas", da sind die Abgeh- und Moshparts auf Mezmerize nun dynamischer, schneller und treibender. Auch wenn am Ende alles perfekt erscheint, auf Mezmerize fast nur Hits vereint sind und es kaum richtige Ausfälle zu vermelden gibt, muss man sagen, dass die neueste Scheibe weder die Neudefinierung von SOAD, noch der qualitativ gleichwertige Nachfolger zu "Toxicity" ist. Es gibt einfach keine "Über-Drüber-Hits" wie "War?", "Sugar", "Chop Suey" oder "Toxicity" und trotz wirklich durchwegs toller Songs hat man das unweigerliche Gefühl alles schon mal besser gehört zu haben. Sowas nennt man wohl ein "Übergangsalbum" oder "Stagnation auf hohem Niveau". Mal sehen ob dies mit "Hypnotize" fortgesetzt wird oder obs dann ne Revolution gibt. Lieblingsssongs: "Violent Pornography" (7), "Sad Statue" (9), "Lost in Hollywood" (11)
08. Fordirelifesake - "Dance.Pretend.Forget.Defend" (Skipworth)
Fordirelifesake hab ich ja schon als potenzielle From Autumn to Ashes-Nachfolger abgefeiert. Und tatsächlich, ihr Debüt "Breathing is only half the Function" schlug in die selbe Kerbe. Durchwegs melodischer, allerdings meist knochenharter Moshcore traf auf kleine, aber enorm berührende Emoparts und eie musikalisch gewordene Dissonanz. Verdammt dicht, ambitioniert und leidenschaftlich eingespielt und mit beinahe so vielen Ideen wie "Too bad you're beautiful" gesegnet. Irgendwie hab ich mir beim neuen Longplayer "Dance.Pretend.Forget.Defend" auch nicht erwartet, dass der Vorgänger getoppt werden könnte. Und vielleicht wussten das Fordirelifesake auch, vielleicht sind sie aber einfach nur erwachsener geworden, vielleicht haben sie aber einfach nur den oft beschworenen musikalischen Reifeprozess vollzogen. Fakt ist, dass die Band einen mehr oder minder neuen Sound hat. Die Songstrukturen sind nicht mehr so chaotisch und alles niderreißend wie früher, die Einstellung ist weniger wild und jugendlich... die neuen Fordirelifesake sind nicht mehr so hart, sie lassen sich mehr Zeit und machen die melodischen Einschübe von früher zu nem festen Bestandteil. Wer jetzt allerdings an eine übertriebene Verweichlichung denkt, der irrt. Man höre sich nur den Opener "Recover" an, der in bester Art und Weise Emocore mit dem bekannten Moshcore verbindet, nur musikalisch weniger direkt ist, sondern auch viele kleine Schlenker zur Seite macht. Man kann also durchaus auch sagen, dass die Band neben dem erhöhten Emoanteil auch etwas Postcore in ihren Sound aufnahm, was sich an den verspielteren Strukturen bemerkbar macht. Das darauffolgende "Circles and Cycles" ist eine schöne Emo-Ballade, in dem sich der Sänger mit der abermals tollen Stimme von Gastsängerin und "Fast-Bandmitglied" Kara Dupuy duelliert. Das Ganze ist grandios aufgebaut und bietet ein grandioses Finale mit lang gezogenen Gesangslinien Kara's, die zum Schluss von gesprochenen Vocals seitens des Sängers durchbrochen werden. Das Ganze ist sicherlich das was "Cross my Heart, hope to die" für die Vorgänger-LP war, aber einfach viel erwachsener und gereifter, sowohl was Songaufbau und Gesang angeht. Aber... wie angedeutet, bedeutet ne musikalische Reife nicht immer ne Besserung. Obwohl Fordirelifesake auch auf der neuen Scheibe gefallen, gefiel mir doch ihre ungestümere Seite auf "Breathing is only half the Function" besser. Und in dem Fall find ich die Ballade ihrer ersten LP auch irgendwie herziger und berührender. Was man aber positiv vermerken muss, ist, dass sich die Band auch absolut bemüht hat, sich musikalisch zu entwickeln. Somit kann man die neue LP eher als "Stilerweiterung" als als "Verweichlichung" bezeichnen. Man höre nur die vielen Experimente die die Band macht. Angefangen von elektronischen Trance-Spielereien im Titeltrack, weiter zur mutigen aber sehr gut gelungenen Coverversion von Nine Inch Nail's "March of the Pigs" bis hin zu intensiverer Einbeziehung anderer Instrumente (Violine, Piano, Cello, Keyboard) und 8-Minütigem-Stakkato-Geficke wie beim Outro "The End of the Beginning". Überhaupt bleiben nur 9 "richtige" Songs übrig, wenn man die an der Zahl 3 Instrumentals ausnimmt. Aber gottseidank übertreiben es Fordirelifesake nicht zu sehr und lassen bei all den neuen und erweitert alten Einflüssen ihre alten Trademarks nicht links liegen. Das Duell des brutalen, weiterhin an den FATA-Shouter erinnernden Schreihals mit der wohligen Stimme des Frontmanns ist weiterhin zentrales Thema. Genauso wie das arschtretenden Drumming. Und genauso wie bretternde Abgehparts und musikalische Prügeleien. Klassische Moshparts wie sie auf dem Debüt noch zu Hauf anzufinden waren gibts hier allerdings weniger, die Härte wird diesmal einfach anders zelebriert. Dabei raus kommen grandiose Nummern wie "We are the Company we keep", das mit poppigem Emo-Intro a la Taking Back Sunday oder früherer Finch überrascht, nur um dann von brutalen Shouts in Einzelteile zerlegt zu werden. Später setzt sogar Kara nochmal kurz ein um eine Textzeile aus dem von "Breathing is only half the Function" bekannten Überhit "Four Letter Lie" einzustreuen. Schönes Dejavu für Fans. Und genau diesen Fans sollten mit der neuen Scheibe auch nicht zu sehr enttäuscht sein. Ich sage ganz klar, dass mir ihr Debüt ganz klar besser gefällt, weils straighter, ungestümer, emotionaler und einfach intensiver ist.. aber "Dance.Pretend.Forget.Defend" hat ganz eindeutig seine Vorzüge und ist lang nicht so enttäuschend wie die zweiten Langspieler von From Autumn to Ashes oder Poison the Well. Als potenziellen Nachfolger dieser Bands sollte man Fordirelifesake allerdings nicht (mehr) ansehen... man kann schon jetzt gespannt sein auf die neue Scheibe. Lieblingssongs: "Recover" (2), "Circles and Cycles" (3), "We are the Company we keep" (6), "March of the Pigs" (7)
09. From Autumn to Ashes - "Abandon your Friends" (Vagrant)
"Freunden den Rücken zukehren" wollen sie also. Bezeichnend fürs neue Album? Ne, den kompletten Genrewechsel gabs ja schon bei "The Fiction we live". Die Neue von FATA schließt im Grunde da an, wo die Alte aufgehört hat, addiert aber etwas mehr Härte. Ja, ETWAS. "Too bad you're beautiful" sollte man endgültig aus den Köpfen streichen, zu diesem Sound und zu dieser Form werden FATA nicht mehr zurückkehren. Und trotzdem ist auch die nunmehr dritte LP durchaus gelungen. Hört man sich den krachigen Opener "Where do you draw the Line?" an, macht sich ne leise Hoffnung breit, die Jungs hätten den Emo abgestreift. Hier wüten sie nämlich in alter Manier drauflos, flechten die bekannten sanften Gesangslinien mit ein und präsentieren einen selten aggressiven Shouter. Und trotzdem ist das Ganze dank dem Refrain verdammt eingängig. Beim darauffolgenden "Inapprope" darf Sänger Francis Mark den Großteil übernehmen, dabei raus kommt allerdings nicht eine Schnulze, sondern ein beschwingter Emocore-Song, mit recht einfallsreichem Drive. Und auch beim dritten Song gibts noch keinen richtigen Ausfall. Das ebenfalls recht harte "Sugar Wolf" gefällt, driftet zum Ende hin aber in peinlichen Stadionrock ab. Komplettiert wird das erste Drittel durch "Vicious Cockfight", das eine sehr ungewöhnliche, Breitwandrock-Gitarrenarbeit bietet, aber ansonsten ein vierminütiger Schlag in die Fresse ist. Das erste Drittel kann durchaus überzeugen, ich war sogar etwas überrascht, hab ich mir doch das "worst case scenario" für FATA ausgemalt. Genau das gibts dann aber wohl mit dem nächsten Song: "Streamline" ist eine auswechselbare Emo-Ballade, die keinem weht tut, aber nach dem erfreulich aggressiven Anfang wie eine Straßensperre wirkt. Diese wird mit "The funny Thing about getting Pistol whipped is..." aber wieder durchbrochen. Hier gibts für neuere FATA eine fast schon überraschende Kompromisslosigkeit, mit Stakkato-Drumming und einem verdammt angepissten Shouter. "Placentade" ist dann ein netter Weich-Hart-Mischmasch, der auch keinem weht tut, was bei "Kansas City 90210" wieder anders aussieht. Diese Stadionrock-Ballade ist nämlich der zweite Totalausfall und so richtig schön zum Fremdschämen. Das moshige "Short for Show" lässt einen diese Chose fast schon wieder vergessen, auch "Jack + Ginger" packt die Keule aus und erinnert mit seinen new schooligen Gitarren fast schon wieder ans Debüt. Die Halbballade "Long to go" mag zwar etwas käsig wirken, aber hier im positiven Sinne. Das hier ist ein "No Trivia", nur etwas treibender und mit einem mindest genauso schönen Refrain. Radiotauglich. Das abschließende Titelstück ist dagegen wieder eher fürn Arsch, da ne austauschbare Piano-Ballade. Was schlussendlich bleibt ist eine durchaus gelungene FATA-Scheibe, die mich stellenweise sogar überraschte, weil ich mir Schlimmeres ausgemalen hatte. Vorallem finde ich, dass "Abandon your Friends" im Vergleich zu "The Fiction we live" in sich schlüssiger ist, nimmt man mal die zwei, drei Totalausfälle aus. Denn ein guter Teil der Songs ist wieder ein ganz kleines Stückchen aggressiver und von der Gitarrenarbeit her näher am früheren New School-Sound dran (auch wenn die Moshparts beinahe noch mehr gesunken sind). Man könnte die Platte auch dreiteilen: die harten Songs überzeugen, die Weich-Hart-Mischmasch-Songs sind irgendwo zwischen "ganz gut" und "dudelt so vor sich hin" und die weichen Songs sind fast ausschließlich für die Tonne. Es lässt sich also sagen "FATA sind gut, wenn sie angepisst sind". Und hätte man die drei bis vier Ausfälle weggelassen, dann wär ich restlos überzeugt und würd wohl sagen, dass sich die Jungs im Vergleich zum letzten Album gesteigert haben... so bleibt aber ein bitterer Nachgeschmack. Der bitterste Nachgeschmack kommt aber vorallem davon, dass auf "Abandon your Friends" zumindest ein wirklicher Überflieger fehlt. Ich hab leider keinen einzigen Song entdeckt von dem man sagen könnte, dass er "Too bad you're beautiful" besser oder wertvoller machen könnte. Aber vielleicht muss sich das erst noch mit mehreren Hördurchläufen entwickeln. Nichtsdestotrotz eine gelungene Scheibe und alles andere als "der Untergang von FATA", wie es vielerots ja hieß. Lieblingssongs: "Where do you draw the Line?" (1), "Short for Show" (9), "Long to go" (10)
10. Number Twelve looks like you, The - "Nuclear.Sad.Nuclear" (Eyeball)
Aufm ehemaligen Thursday-Label "Eyeball" war's in letzter Zeit eigentlich ziemlich ruhig, mal abgesehen von Murder by Death oder The Killing Tree, die aber beide nicht sonderlich beachtet wurden. Aber jezt kommt hier mit The Number Twelve looks like you eine Band die recht frisch klingt. Das Soundgrundgerüst basiert auf hektischem Chaoscore Marke Blood Brothers (was ja von Haus aus schon wenige Bands spielen), allerdings mit dutzenden weiteren Einflüssen. Kleine Death-Metal- und Metalcore-Prügeleien hört man ebenso wie frickelige Parts a la Dillinger Escape Plan und kleine verlorene Emo-"Chillouts". Durch die ziemlich durchgeknallte Gitarrenarbeit kommt sowohl ne gewisse jazzig-funkige Kante in den Sound rein, als auch das ein oder andere käsige Rock'n'Roll-Solo. Wie gesagt, ein absolut freakiges Soundpotpourri, das aber durch die vielen Einflüsse und die verschnörkelten Songstrukturen alles andere als zugänglich ist. Es fehlt hier dieser aufdringliche Hitcharakter den die zwei letzten Blood Brothers-Scheiben an den Tag legten. Vorallem braucht "Nuclear.Sad.Nuclear" einige Zeit, ich wurde selbst erst nach mehreren Durchläufen überzeugt, denn die Songs wirken a. eben nicht so flüssig und hüpfen einen b. eben nicht direkt an. Zwei Punkte die einen die Platte schnell weglegen lassen, vorallem wenn man nur so nebenbei hinhört. Aber setzt man sich mit der Platte auseinander, dann entdeckt man immer mehr tolle Parts und immer mehr kleine Sounds, die einem beim vorherigen Hördurchlauf entgangen sind. Ob dann kleine 7-Minuten-Epen wie das umwerfende "Rememberance Dialogue" oder jazzige Chaos-Bretter inklusive toller melodischer Gitarre wie in "Texas Dolly" bei rauskommen, früher oder später entdeckt der Frickel-Fan diese Scheibe für sich. Summa sumarum find ich, dass sich The Number Twelve looks like you durch diese Originalität und diese Begeisterung mit der sie ans Werk gehen, viel Unterstützung verdient haben. Auch wenn die Jungs nicht derart durchgeknallt und ideenreich wie die Blood Brothers zu Werke gehen, verwett ich mal meinen Arsch drauf, dass diese Band noch größer wird. Grad da nach oben hin noch was offen ist, freu ich mich schon sehr aufs nächste Album dieser tollen Band. Lieblingssongs: "Texas Dolly" (2), "An Aptly Fictional Description" (6), "Rememberance Dialogue" (8)

11. Madsen - "s/t" (Universal)
Madsen ist eine Band die mehr oder minder aus dem Nichts kam und auch gleich einen Major-Deal einsackte. Klingt nach Plastik, ist aber nicht so. Die Jungs machten anscheinend schon unter anderen Namen jahrelang Musik und wurden nur nie wahr genommen. Kaum zu glauben, ist das hier doch die beste deutschsprachige Rockplatte die ich seit langem gehört habe. Madsen könnte man durchaus auch als eine poppigere, textlich leichter verdauliche und jugendlichere Variante von Tomte bezeichnen. Die Jungs spielen Indierock, mit viel Pop (im Sinne von "eingängig"), nem gewissen punkigen Drive und der ein oder anderen verschrobenen Postcore-Kante. Das Problem hierbei ist, dass man, wenn man ans Wort Indierock denkt, gleich an Misantrophen, kauzige Mitdreißiger und schwer verdauliche Musik denken muss... is hier zur Ausnahme aber überhaupt nicht so. Die Songs sind beschwingt und luftig, behandeln Themen wie das Leben, die Liebe und den Kampf gegen sich selbst und haben im Grunde immer ne positive Message. Und jetzt kommts: die Texte sind bis auf ein paar wenige Zeilen durch die Bank kitschfrei und kommen einfach ehrlich und "ausm Bauch" rüber. Auch wenns mal heißt "du bist perfekt, makellos, du bist besser als gut" - das is teilweise auch mit nem zwinkernden Auge gemeint, sodass es einem beim Hören der Platte niemals die Schamesröte ins Gesicht treibt. Vorallem aber auch der brüchige Gesang, der sicht oftmals sogar in Hardcore-Gebrüll wandelt, trägt viel dazu bei, dass das Ganze sehr kantig rüberkommt. Und überhaupt, wenn man bei Majors sofort an ne glattpolierte Produktion und fette Gitarrenwände denkt, der kann aufatmen. Die "Madsen" ist nämlich recht schlicht aufgenommen worden. Am besten sind die Jungs, wenn sie in oben angesprochene Postcore-Gefilde abdriften und dann fast schon an eine deutsche (sic!) Version von At the Drive-In erinnern. So ne Passagen gibts aber relativ selten, so z.b. im hasserfüllten "Panik" oder bei "Lüg mich an". Ansonsten haben Madsen einfach viele eingängige, poppige Songs auf ihrem Debüt drauf... dazu sagt man wohl "Hits". Aber das hier ist so locker, so ehrlich und so authentisch, dass man die ganze Platte lang einfach "mitgeht". Sowas ist im deutschsprachigem Raum relativ einzigartig und demnach vollkommen unterstützenswert. DAS hier sollten "diese Kinder" hören, die sich den sonstigen Scheiß der im Radio rauf und runter läuft ständig reinziehen.
Lieblingssongs: "Immer mehr" (2), "Diese Kinder" (5), "Panik" (7), "Mein Therapeut" (10)
12. Clarity Process, The - "Killing the Precedent" (Defiance)
Ein (sehr cooles) Cover auf dem eine Menschenmasse protestiert, eine Platte die mit "Killing the Precedent" betitelt ist, ein Opener der "The Capitalist" heißt und viele Rezensions-Vergleiche mit Refused. Was geht da? Großer Wirbel? Die neue Polit-Hardcore-Revolution? Nein... alles nur unnötig aufgewirbelter Staub. Denn obwohl Clarity Process alles andere als ein schlechtes zweites Album vorgelegt haben, wurde die Platte vielerorts dezent overhyped. Vorallem ist der Sound nur bedingt mit Refused zu vergleichen, sowohl was die Songideen als auch die Hitdichte angeht, hinken Clarity Process eindeutig hinterher. Außerdem wirkt "Killing the Precedent" viel jugendlicher und ungestümer, also ist das hier eher sowas wie die Jugendvariante von Refused. Aber mal alle Vergleiche zur Seite muss man sagen, dass die Jungs was relativ Eigenständiges zu Stande gebracht haben. Oberflächlich könnte man das Ganze als Screamo bezeichnen, aber im Grunde sind Clarity Process größtenteils viel härter auf dem Weg als die meisten der Weich-Hart-Weich-Kapellen und kombinieren ihren Screamo mit verspieltem Post-Hardcore, treibendem Punkrock und der ein oder anderen new schooligeren, moshigen Kante. Das hier ist viel zu komplex und viel zu progressiv um es in eine Schublade mit Bands wie The Used oder Thrice zu stecken. Groß wird die Platte dann, wenn Clarity Process ihre tollen Emo-Refrains, die was Drive angeht fast schon an Pop der 80er-Jahre erinnert, in ihre verschnörkelten New School-Brecher miteinflechten. Das erinnert dann phasenweise an eine viel härtere Version von Taking Back Sunday oder der neuen Recover, vorallem da der Vocalist ein ziemlich ähnliches Organ hat, wenn er singt. Allerdings ist die Stimmung so überhaupt nicht vergleichbar mit den oben erwähnten Emo-Kapellen. "Killing the Precedent" ist nie so richtig fröhlich, sondern viel düsterer und angepisster. Und auch wenn ich es mittlerweile leid bin zu sagen, muss es auch hier wieder erwähnt werden, dass die eingängigsten Songs in der ersten Hälfte zu finden sind. Die drei Überhits sind gleich am Anfang depostiert, später wird die Platte allgemein etwas langsamer, ruhiger und bietet mehr "Chill-Out"-Passagen. Da aber diese ruhigen Passagen mit ihrer spaceigen Virtuosität Marke Hopesfall zu "The Satellite Years"-Zeiten ziemlich überzeugen, ist das Ganze kein großer Verlust. Und einen richtigen Hänger gibts sowieso nicht, weshalb ich diese Scheibe jedem empfehle der auf intelligente und originelle Musik irgendwo zwischen den Polen Screamo, Post-Hardcore und New School steht. Lieblingssongs: "The Capitalist" (1), "Pretty Smile, Dead Air" (2), "Anna vs. The Bull" (3), "Darkroom Professional" (10)
13. Hand to Hand - "A perfect Way to say Goodbye" (Lifeforce)
Hand to Hand musste ich als As Friends Rust-Fan natürlich unbedingt anhören. Mit den alten Florida-Helden hat der neue Sound aber weniger zu tun, auch wenn der Ex-AFR-Drummer hier wieder ne tolle Leistung bietet und vielen Songs seinen Stempel aufdrückt. Hört man die erste halbe Minute rein, wird man von heftigem Kreischgesang und moshigen Gitarren empfangen, was einen schnell an Bands wie Poison the Well oder From Autumn to Ashes denken lässt... lässt man die Platte allerdings weiter laufen, kommt man ganz schnell auf andere Gedanken. Hand to Hand verbinden eher Teile dieses moshigen Sounds mit Emocore / Screamo, wie er heutzutage von tausenden Bands gespielt wird und einer Prise Metalcore. Und auch wenn hier definitiv kein Innovationspreis gewonnen wird, muss man einfach zugeben, dass die Jungs wirklich gute Songs am Start haben. Bis auf "A Silver Medal" bei denen die Jungs phasenweise an die Deftones aber auch an die neue Open Hand erinnern, bleiben die Songs dabei immer im selben (Hardcore-)Rahmen. Tolle Melodien, catchie Refrains, schöne Ausbrüche und viele polternde Passagen, zudem das bekannte Wechselspiel mit einem angepissten Shouter und einer harmonischen Emo-Stimme. Wenn man was kritisieren kann, dann, dass die beiden Vocalisten etwas sehr verwechselbar klingen und die Texte ab und zu etwas arg cheesy rüberkommen. Aber abgesehen davon gerade musikalisch schwer in Ordnung und für Thrice-, The Used- oder Grade-Fans ein gefundenes Fressen. Lieblingssongs: "Preamble" (1), "A Silver Medal" (7)
14. Queens of the Stone Age - "Lullabies to Paralyze" (Interscope)
Nach dem All-Star-Album "Songs for the Deaf" war's ja zu befürchten, dass die Queens keinen mehr drauflegen können. Und mit dem Abgang von Nick Olivieri und der Abwesenheit von Dave Grohl, standen die Vorzeichen alles andere als gut für "Lullabies to Paralyze". Außerdem war der Hype der um die neue Scheibe gemacht wurde, eigentlich gar keiner... wenn man ihn mit dem Hype zu "Songs for the Deaf" vergleicht. Rausgekommen ist eine durchaus überzeugende QOTSA-LP, die aber wohl eher sowas wie ein Übergangsalbum darstellt und mit Josh Homme eben nur mehr ein geniales Hirn beinhaltet. Mark Lanegan hält sich auf der neuen Scheibe ziemlich zurück und so wurden die meisten Songs eben typisch "Homme". Schlichte Rocker, irgendwo zwischen Wüste, Stoner und jüngerer Vergangenheit. Mal mehr eingängig, mal weniger eingängig, aber definitiv nich so voll mit Hits, Einfällen und Geistesblitzen wie aufm Vorgänger. Stilistisch siedeln sich die Queens somit irgendwo zwsichen ihrem Debüt und "Rated R" an, qualitativ würd ich die Platte vielleicht sogar als die unwichtigste Queens-Scheibe bis dato einschätzen. Klar, auch hier gibt's Highlights wie "Tangled up in Plaid" oder "Little Sister", die zu den besten Songs der Band gehören, aber der Rest dümpelt irgendwo zwischen routiniert, nett, mäßig und "schon gehört" rum. Grad in der zweiten Hälfte baut die neue Platte ziemlich ab. Man merkt leider eindeutig, dass die meisten Songs und Ideen von Homme kommen. Trotz vieler guter Songs, richtet es der Frontmann eben nicht alleine... und das zeigt sich auf "Lullabies to Paralyze". Wenn "Songs for the Deaf" der Wirbelstrum ist, dann ist "Lullabies to Paralyze" das laue Lüftchen. Ich würde an Josh's Stelle Nick Olivieri wieder in die Band holen, Dave Grohl anrufen und Mark Lanegan mehr Platz lassen... vielleicht bekommen wir dann mit der nächsten Scheibe ja erneut Songs für unsre tauben Ohren. Denn man merkt's nicht nur am Songwriting, dass die Ideen teils abgingen, sondern auch am musikalischen. Das ist weder beim Bass-Spiel, noch beim Drumming so druckvoll und einfallsreich wie früher. Trotzdem gelang den Jungs wieder mal eine -im Genrekontext- sehr tolle Platte, die ein Segen ist gegen den ganzen "The"-Kram, der sich sonst so Rock'n'Roll schimpft. Lieblingssongs: "Tangled up in Plaid" (4), "In my Head" (6), "Little Sister" (7), "Skin on Skin" (11)
15. Into the Moat - "The Design" (Metalblade)
33 Minuten. 9 Songs. Und das totale Chaos. Into the Moat spielen absolut druckvollen, treibenden und zudem auch noch fett produzierten Chaos-Frickel-Core Marke Dillinger Escape Plan. Allerdings wie die früheren DEP. Denn "The Design" ist lang nich so gut verdaulich wie die neueren Sachen der Frickel-Götter. Von irgendwelchen Verschnaufspausen oder Chillouts braucht man gar nicht erst zu träumen. Wenn ein Song vorbei ist, bekommt man eine Sekunde zum durchatmen und dann bricht das Chaos wieder los. In einigen Songs gibt's nette Jazz-Interludes, die aber auch nur ein paar Sekunden andauern. Ansonsten, tausende Breaks, heftiges Geschrei, noch heftigeres Gegrunze, eine hyperventilierende Double-Bass und frickelige Gitarren bis nach Jerusalem. Am Ende fühlt man sich als ob einem ein kleines Männchen ne halbe Stunde lang mit einem Vorschlaghammer sämtliche Gehirnwindungen zerstört hätte. Aber so soll's doch bei Frickel-Core auch sein. Klar ist, dass hier verdammt viel Passion und Intensität dahintersteckt und Into the Moat zur Spitze dieses Sub-Genres gehört. Gleichzeitig ist "The Design" aber auch nur Fans dieser Sparte empfohlen, denn das hier IST anstrengend und fordernd. Lieblingssongs: "Century II" (1), "Dead before i stray" (3)
Bane - "The Note" (Equal Vision)
Bled, The - "Found in the Flood" (Vagrant)
Burning Season - "The Haze of Infatuation" (Hand of Hope)
Drowningman - "Don't push us while we're hot" (Thorp)
Escapado - "Hinter den Spiegeln" (Alerta Antifascista)
Fall of Troy, The - "Doppelgänger" (Equal Vision)
Gratitude - "s/t" (Atlantic)
Horse the Band - "The Mechanical Hand" (Combat Core)
Since by Man - "Pictures of Hotel Apocalypse" (Revelation)
Smackdown, The - "Calling the Spots" (Goodfellow)
System of a Down - "Hypnotize" (American)
With Resistance - "Real Hardcore Kids have Dayjobs" (Immigrant Sun)

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